Unser Giescheid
     Unser Giescheid

Der Verein

Die „Dorfgemeinschaft Giescheid e.V.“

Hatten bis ins gegenwärtige Jahrhundert Mittel des Bistums, der Pfarrgemeinde und der Denkmalbehörden in Verbindung mit Hand- und Spanndiensten der Dorfbewohner gereicht, das kleine Kirchlein in einem würdigen Zustand zu halten, riet nun der Kirchenvorstand, einen Kapellenverein zu gründen. Als Förderverein sollte dieser möglichst viele Spenden akquirieren, um in Zukunft unabhängig von jeglicher öffentlicher Förderung notwendige Instandhaltungsmaßnahmen durchführen zu können.

Da mussten die Giescheider zunächst einmal tief durchatmen: Noch‘n Verein! Nach längerem Überlegen gründeten sie dann schließlich am 21. Juni 2007 den Verein „Dorfgemeinschaft Giescheid e.V.“, dessen Hauptaugenmerk zwar auf der Kapelle ruht, der sich aber auch um die anderen öffentlichen Belange der Einwohnerschaft kümmert.

Die Giescheider sind erfahren, wenn es um Vereinsarbeit geht. Prozentual stellen sie die größte Anzahl von Mitgliedern in den meisten Vereinen der Pfarre, auch in den jeweiligen Vorständen. Mehr als ein Viertel der rund 100 Giescheider spielen beispielsweise ein Instrument und mehrmals im Jahr, wie etwa an Heiligabend, musizieren die „Eifelhöhen-Bläser“, zwischen 8 und 80 Jahren alt, gemeinsam. Die Musiker spielen teilweise aktiv in verschiedenen Vereinen, manche üben dieses Hobby aber auch nur zum Spaß aus. Und noch etwas ist anders in Giescheid: Der Vorstand von „Dorfgemeinschaft Giescheid e.V.“ besteht überwiegend aus jungen Leuten und selbst die wenigen Erfahrenen sind gerade mal Mitte 50.

 

Erste Aufgaben

Für den jungen Verein, insbesondere dessen Vorstand, standen dann auch gleich die ersten Aufgaben an.

Die erste Goldene Hochzeit, die nach der Vereinsgründung auf dem Programm stand, wurde mit Gerda und Ludwig Sievering groß gefeiert.

 

Das Kreuz im „Kreis“

Schon länger schwärmten die Bewohner für ein neues Dorfkreuz im so genannten „Kreis“, dem Kreisverkehr in der Dorfmitte, da das alte Kreuz doch sehr in die Jahre gekommen und regelrecht faul geworden war. Das neue Kreuz sollte aus Eichenholz mit einem Korpus angefertigt werden. Auch der Sockel aus Beton war erneuerungsbedürftig und sollte gleich auch vergrößert sowie tragfähiger gemacht werden. Da man bei der Firma Valtinke nicht das passende Holz fand, wurde ein Stamm von Alfred Klein (A&S), Zingsheim (Schwalenbach) für 150 € besorgt. Die Firma Klein trocknete und schnitt das Holz grob zu. Schreinermeister Willi Heinzen aus Udenbreth zimmerte das Dorfkreuz kostenlos nach den Vorgaben der Giescheider. Als Geschenk erhielt er dafür einen Essensgutschein, einen schönen Strauß Blumen für seine Frau und eine Einladung zur Kreuzeinweihung. Den Christus-Korpus hatte Karl Reger bei der Firma Schreibmayer in München für 368 € bestellt.            

 

Die Kreuzeinweihung am 26.08.2007 begann mit einem Gottesdienst am Standort des Kreuzes am „Kreis“ auf der „Gemeinde“. Der kirchlichen Feier schloss sich ein gelungenes Dorffest an, das manchen Euro in die Gemeinschaftskasse spülte.        

                     

Martin Linden übernahm den zweiten Anstrich des neuen Dorfkreuzes vor Fronleichnam 2008.

Alljährlich zur Adventszeit wird im „Kreis“ am Dorfkreuz ein beleuchteter Christbaum aufgestellt. Leider brachte die Gemeinde den Stromanschluss für die Weihnachtsbeleuchtung aber an der gegenüberliegenden Straßenlampe an, weshalb die Zuleitung über die Straße abgespannt werden muss. Die Jugendlichen besorgten eine Lichterkette für den Weihnachtsbaum.

Am Heiligabend, sowohl 2007 als auch 2008, gaben die Giescheider „Eifelhöhen-Bläser“ (rund 20 Musiker zwischen 8 und 80 Jahren) gegen 22.00 Uhr ein Weihnachtskonzert unter dem Tannenbaum. Zur Musik servierte Karl Reger hausgemachten Glühwein. Die Beteiligung der Bevölkerung war ausgesprochen gut.

 

Arbeiten im Umfeld der Kapelle

Wegen der Rutschgefahr auf dem Schieferplattenbelag am Treppenabgang zur Kapelle wurde dort ein Edelstahlgeländer angebracht. Das Material wurde absichtlich gewählt, damit das Geländer nicht als historische Imitation wirkt. Die Pfarre beteiligte sich nicht an den Kosten.

Die uralte Linde an der Kapelle musste unbedingt beschnitten werden, da die Äste schon sehr über das Kapellendach hinaus ragten. Außerdem warf sie sehr viel Schatten, was zur vermehrten Grünalgenbildung an den Kapellenwänden führte. Leider zerstörte bei den Baumpflegearbeiten ein herabfallender Ast das Glas der Stehlampe am Zugang zur Kapelle, so dass dieses auf Vereinskosten neu beschafft werden musste. Die große Lärche links an der Hecke musste aus Platzgründen entfernt werden. Außerdem sorgte ihr Nadelflug im Herbst für erhebliche Verschmutzung. Die gegenüber stehende, wunderschöne Roteiche wächst sehr stark, wodurch ihr Wurzelwerk den Asphaltgehweg aber in Mitleidenschaft zieht. Ihre untersten Äste wurden beigeschnitten.

Die Gemeinde Hellenthal ließ straßenseitig den Jägerzaun am Friedhof mit einem Dampfstrahlgerät reinigen und frisch anstreichen.

Der Maibaumständer, der bisher hinter dem großen Brunnen gestanden hatte, wurde aus Sicherheitsgründen versetzt. Da die Giescheider stolz darauf sind, den höchsten Maibaum in der Eifel zu besitzen (650 m über NN zuzüglich 25 m Baumlänge!), wurde aus statischen Gründen nicht am Beton gespart, der aus der Vereinskasse bezahlt wurde.

 

(Foto: R. Christian)

Ein Architekt begutachtete im Sommer 2007 den Außenputz der Kapelle, den er für komplett erneuerungsbedürftig hielt. Selbst die Ausbesserungen von 1990 seien voller kleiner Risse. Aus Kostengründen lehnte das Bistum Aachen allerdings diese Sanierungsmaßnahme ebenso ab, wie die „Dorfgemeinschaft Giescheid e.V.“.

Stürme gehören in Giescheid zum Alltag. Lange Jahre hatte der eiserne Gockel auf dem Kapellenturm ihnen bereits getrotzt und sich dem Wind entgegengestemmt, denn richtig drehen wollte er auch nicht mehr. Das Kreuz stand schief und es war anzunehmen, dass die Turmspitze nicht mehr ganz dicht sei. Die Befürchtung war groß, das Turmkreuz mitsamt Kirchturmshahn würde wohl beim nächsten Sturm herunter geweht.

Also wurde der Kirchenvorstand eingeschaltet, der in Verhandlungen mit der Sturmversicherung die Kosten für die Beseitigung der Schäden abklären sollte. Ein Gerüst schien notwendig, um überhaupt erst einmal das Ausmaß der Schäden feststellen zu können. Wenn aber schon so ein Gerüst aufgestellt werden müsste, könnte man es gleich nutzen, um auch die anderen Schäden zu beheben, aber auch um die Turm-Jalousien zu reparieren und den Kirchturm anzustreichen. Ach ja, wenn man den Hahn schon herunter holen müsse, könne man ihn auch gleich vergolden!

Nach der letzten großen Renovierung begann die Süd-West-Fassade, neben der die mächtige 340jährige Linde wächst und ziemlich viel Schatten wirft, grün zu werden. Wenn man also schon den Turm anstreichen wollte, dann könne man gleich noch ein paar Eimer Farbe mehr besorgen, um auch das Kapellenschiff zu weißen. Sollte die Pfarre das benötigte Material zur Verfügung stellen, werde die „Dorfgemeinschaft Giescheid e.V.“ die Arbeiten mit eigenen Leuten ehrenamtlich ausführen.

 

Mittels eines Kranes ließ sich Dachdeckermeister Alfred Reger zur Turmspitze hochhieven, um Kirchturmshahn und Turmkreuz abzubauen und die Schäden am Kaiserstiel und der Schiefereindeckung am Turm in Augenschein zu nehmen. Das war schon eine ganz schön „windige“ Angelegenheit.

Nachdem die Sturm-Versicherung eine Pauschale für die Turmrenovierung zugesichert hatte, wurde durch eine Fachfirma ein Gerüst aufgestellt.

Der Hahn wurde zum Restaurator Hartmann nach Bruchhausen im Westerwald gebracht zum Vergolden. Es war der erste eiserne Hahn, den er bearbeitet hat. Die meisten Kirchturmhähne sind aus Kupfer oder Bronze. Das Kreuz sandstrahlte die Firma Mertens in Amel (Belgien). Die Transporte besorgte jeweils Karl Reger, nach Bruchhausen begleitet durch Norbert Knauf. Das Kreuz wies bereits erhebliche Korrosionsschäden auf, so dass einzelne Teile sich lösten. Notwendige Reparatur- und Schweißarbeiten wurden von Robert Jütten ausgeführt. Von einer Verzinkung wurde abgesehen, um die Materialstärke nicht noch weiter zu reduzieren. Das Kreuz wurde daher nur mit einem Spezial-Hammerschlaglack gestrichen.

Mittlerweile hatte der Architekt einen großen Riss im Turm ausgemacht, der mit einem Maueranker stabilisiert werden sollte. Dafür wurde von einer Fachfirma eine Bohrung quer durch die Bruchsteinmauer an der nord-westlichen Turmseite direkt unterhalb der Jalousie getrieben und mit einem Edelstahlanker versehen.

Robert Jütten mit dem „Goldhähnchen“ (Foto: R. Christian)

Nun wurde es aber Zeit, mit dem Anstrich zu beginnen. Mit einem Heißwassergerät sollte zunächst vorsichtig der grobe Schmutz abgewaschen werden, ohne den Wandputz zu schädigen. Frank Schneider, Mathias Reger, Andreas Pützer und Robert Jütten übten diese Arbeit federführend aus. Danach folgte der Voranstrich, zunächst durch Schwindelfreie von der Turmtraufe abwärts. Alfred Reger reparierte die Schiefereindeckung und brachte Turmkreuz und -hahn wieder an. Das „Goldhähnchen“ läuft nach der „Verjüngungskur“ schön rund und zeigt den Giescheidern nach vielen Jahren wieder an, woher der Wind weht.

St. Bartholomäus Giescheid „im frischen Gewand“ (Foto: N. Knauf)

Vereinsvorsitzender Robert Jütten musste wegen der regen Beteiligung 13 Stück Weißquaste besorgen. 10 Stück hatte der Kirchenvorstand ebenso wie die vorgeschriebene Farbe von der Firma Keim geordert, 3 Stück organisierte er noch privat. Ein Fachmann wies den Vorsitzenden in die richtige Handhabung von Pinsel und Farbe ein. Besonders eifrig half Fritz Schneider beim Anstrich und folgende Personen waren ebenso beteiligt: Lothar, Thomas und Martin Frauenkron, Elke, Werner und Robert Jütten, Michaela, Sylvia und Martin Linden, Erich Pützer, Andreas, Markus und Erhard Pützer, Thomas, Bianca und Frank Lux, Gerd und Michael Lux, Frank Schneider, Gertrud Jütten, Mathias, Michael und Karl Reger. Elisabeth Linden servierte bei Bedarf Kaffee. Nach getaner Arbeit gab’s natürlich den verdienten Feierabendschluck und manchmal wurden noch alte Geschichten bis spät in die Nacht zum Besten gegeben.

Die Turmjalousien wurden von Erhard Pützer und Mathias Reger repariert und angestrichen. Fritz Schneider versah indessen den Dachüberstand am Schiff, Tür- und Fenstergewänder mit frischer Farbe und ersetzte dabei auch fehlende Bretter zwischen den Dachsparren. Die Eingangstür, die übrigens 1933 erneuert worden war, hatte bereits vor einiger Zeit Paul Sieberath gestrichen.

Zur Finanzierung veranstaltete die „Dorfgemeinschaft Giescheid e.V.“ am 16. August 2009 ab 11.00 Uhr ein „Hähnchenfest“. Dafür orderte man Jacques-Hähnchengrill aus Blumenthal, der nicht nur „Goldhähnchen“ sondern auch Haxen im Angebot hatte. Nachmittags buken einige Frauen (Elisabeth Linden, Gertrud Hahn, Margret Larres) Waffeln mit heißen Kirschen zum Kaffee.

Jetzt prangt die Bartholomäus-Kapelle im frischen Gewand, ein wahrhaftiges Idyll auf den Eifelhöhen. Gemeinschaftssinn und Tatkraft können auch zukünftig Projekte ohne öffentliche Fördermittel realisieren. Die Giescheider planen jedenfalls schon weitere Aktivitäten.

© Heimatverein Rescheid e.V. - Vereinsnachrichten 15 (2009)



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